Die Sicherheit des VorUrteils

Wem Vertraust Du ?

Eine Frage, die man sich kaum so offen stellt. Es ist klar und selbstverständlich. Auf der Straße vertraut man den meisten, dass sie einen nicht überfallen werden – außer es ist Nacht …
Dem Partner vertraut man seine persönlichen Geheimnisse an und kann sich nicht vorstellen, dass dieses Vertrauen ein mal um schlägt.
Man vertraut und glaubt, dass der Franzose etwas von Liebe versteht – sowie der Italiener heißblütig ist und der Spanier ein Macho. Der Schweizer versteht etwas vom Geld und die Holländer sind tolerant.
Wir wollen grundsätzlich nicht in Schubladen denken und doch tun wir es – aus einem guten Grund.

Für die Sicherheit.

Wir brauchen sie in unserem Lebenssystem, denn jeden Morgen aufzuwachen, und zu wissen heute ist wieder ein Detektiv-Tag. Ein Tag, bei dem wir jedes und alles – in Frage stellen müssen –  ein Tag an dem wir wieder nach Vertrauen und Vertrautem suchen müssen – dieses wäre eine übermenschliche Anforderung. Wir suchen zwar keinen Mörder, aber müssen alle Ereignisse und Gegebenheiten des Tages neu einsortieren.

Der nächste Monat, das nächste Jahr – ohne Schubladen-Vertrauen … alles wäre offen.

Es wäre ein Leben von einem Tag zum Nächsten – die Vertrauensgrundlage würde einfach fehlen.

VorUrteile sind menschlich und notwendig.

Die Schubladen-VorUrteile bieten die Grundlage für ein sicheres Lebensgefühl. Situationen und Menschen können einfach zugeordnet werden – so dass man weiß, was wichtig und selbstverständlich ist. Das Leben liegt klar vor einem und man weiß genau, wer man ist und wo man steht.

Erschüttert wird es erst, wenn die Umgebung oder der Körper – einem plötzlich einen gravierenden Strich durch die Rechnung machen. Wenn das VorUrteil über den weiteren Lebensverlauf sich schlagartig auflöst – weil eine Krankheit oder eine Trennung das Bild der Zukunft zunichte macht.
Wer dann verinnerlicht hat, dass die Schubladen nur für die eigene Standard-Sicherheit sorgen und sie immer wieder in Frage gestellt werden müssen – kann auch besser mit den Veränderungen umgehen und damit das Leben erweitern.
Denn Schubladen machen es leicht und einfach, sie verhindern die Reibung mit dem Neuen unangenehmen. Sie definieren klar und eindeutig, wie das Leben sein wird und sie machen das Lebensystem überschaubar.

Nur ohne bewusstes auf und zu machen der Schubladen, bleibt das Lebensystem eng und unflexibel.

Das Lebenssystem kann sich nur weiter entwickeln, wenn es immer wieder auch „begriffen“ und hinterfragt wird. Manchmal ist die Krankheit, die Scheidung oder der Unfall einfach eine gute Gelegenheit das Lebenssystem neu zu befragen. Denn vielleicht war das, was passiert ist – einfach eine selbsterfüllende Prophezeiung. Etwas was die Schubladen „auf sprengen“ und das Lebenssystem erweitern soll – weil es einfach so nicht weiter gehen kann und ein neuer Weg eingeschlagen werden soll.

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